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Gemälde von Hans Aichinger Fotografien von Ingar Krauss und Sarah Jones

MELANCHOLIA

Über das

Klinger Forum

21. April 2012

Vernissage

Willkommen im Klinger Forum

Das Ziel des Klinger Forum ist es, Kunst mehr im Bewusstsein der Menschen zu verankern und zugleich einen Ort des Austausches zwischen Künstlern und Öffentlichkeit zu schaffen.

In Zukunft wird der Verein klassische und zeitgenössische Leipziger Künstler präsentieren sowie die Villa für Kulturveranstaltungen aller Art öffnen.

Der Verein Klinger Forum e.V. lädt Partner, Förderer und Unterstützer der kulturellen Wiederbelebung der Klin­ger Villa herzlich ein, sich an diesem großen Werk zu beteiligen. Je breiter die Idee im Herzen des Leipziger Bürgertums verwurzelt ist, umso größer wird die künftige kultu­relle Vielfalt im Hause sein.

Leipzig blickt auf eine lange Tradition des selbstbewussten Bürgertums zurück. Das reiche Kunst- und Kulturleben in der Stadt hatte seine Wurzeln im breiten bürgerschaftlichen Engagement. Nach Erkämpfung der Demokratie und dem Wiedererstarken der Wirtschaftsmetropole Leipzig zum Ende des letzten Jahrhunderts begann die Zeit der Rückbesinnung auf bürgerliche Traditionen und die Entdeckung längst vergessener Schöpfungsstätten berühmter Leipziger Bürger.

Ein wunderbares Beispiel hierfür stellt die Restaurierung der Klinger Villa und des dazugehörigen englischen Landschaftsgartens durch das Leipziger Unternehmen KSW GmbH dar. Die Salons und der Garten sollen zeitweise für Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen geöffnet werden. 

Aufgabe des neu gegründeten Vereins Klinger Forum e. V. ist es, die Organisation hierfür zu übernehmen und Unterstützer für diese Idee zu gewinnen. Der Grundstein ist gelegt – das gemeinsame Werk kann beginnen.

Wiederbelebung eines Kunstviertels

Wenn es um den Kre­ativstandort Leipzig geht, fallen meist unmittelbar die Namen Plagwitz, Lindenau und Schleußig.

Das Gebiet der Leipziger Westvorstadt bis nach Plagwitz, Schleußig und Lindenau war bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine feuchte und von Überschwemmungen bedrohte Sumpf- und Wiesenfläche. Als der Leipziger Rechtsanwalt und Unternehmer Carl Heine ab 1850 in Plagwitz mit dem Bau des ersten Teilstücks eines Kanals begann, der
die Weiße Elster mit der Saale schiffbar verbinden sollte, wurde der Aushub zum Straßenbau benutzt und damit das Areal der heutigen Westvorstadt trockengelegt. Heine begann dieses Gebiet zu parzellieren und zu be-bauen. Durch ihn entstanden die heutige Käthe-Kollwitz-Straße, die Karl-Heine-Straße und die Plagwitzer Brücke als neues Wohngebiet, wo sich das wohlhabende Leipziger Großbürgertum ansiedelte. Die heute noch größtenteils erhaltenen prachtvollen Bauten zeugen vom Reichtum und Kunstverständnis der damaligen Bau-herrn.

Nach und nach entstanden in diesem Gebiet prächtige Villen, wo sich so bedeutende Leipziger wie Joseph Meyer (Lexikon), Rudolf Sack (Landmaschinen), Moritz Mädler (Mädlerpassage), Konrad Giesecke (Buchdruck) niederließen, um nur die wichtigsten zu nennen. Die meisten dieser Großindustriellen waren in alter Leipziger Tradition auch als Mäzene tätig und förderten in der Stadt Kunst, Kultur und Wissenschaft. Ohne diese großzügigen Stiftungen und Spenden wären viele kulturelle Projekte der Stadt Leipzig nicht realisierbar gewesen.

Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahrhunderts und den gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zwan-zig Jahre kehrt ein Großteil der Leipziger Kultur an seinen Ausgangspunkt zurück. Wenn es um den Kreativ-standort Leipzig geht, fallen meist unmittelbar die Namen der Stadtteile Plagwitz, Lindenau und Schleußig. An dieser Stelle seien nur die Spinnerei, das Tapetenwerk oder die Schaubühne genannt. Mit dem Klinger Forum e. V. etabliert sich hier ein Kulturverein, der die Leipziger Kunstszene zusätzlich bereichern wird.

Wiederbelebung eines Kunstdomizils

Die Klinger Villa und der dazugehörige englische Landschaftsgarten wird eine neue Leipziger Adresse für Kulturveranstaltungen.

Heinrich Louis Klinger ließ ab 1868 die Villa in der heutigen Karl-Heine-Straße 2 für sich und seine große Familie errichten. Dieses Gebäude ist das letzte erhaltene bauliche Zeugnis des Leipziger Künstlers Max Klinger in seiner Heimatstadt, nachdem sein Geburtshaus abgerissen und sein eigenes Atelierhaus im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Er kaufte nach dem Tod der Eltern dieses Gebäude, das nach seinem Tode der Kaufmann Richard König erwarb. Nach mehreren Umbauten, Jahren der unsachgemäßen Nutzung und Vernachlässigung hat Dr. Siegfried Unterberger die Villa von einer Erbengemeinschaft gekauft und die äußere Bauhülle mustergültig saniert. Er wollte die Klinger Villa wie die Villa Romana in Florenz zu einem Künstlerhaus machen, wo Stipendiaten nach dem Vorbild aus Florenz eine Möglichkeit zum Arbeiten bekommen und Inspirationen im Klingerschen Sinne empfangen können. Widrige Umstände verhinderten dieses Vorhaben. So wurde die Villa 2010 von der Leipziger Firma KSW GmbH erworben, welche mit dem Blick für’s Wesentliche die Restaurierung dieses Gebäudes nach originalen Plänen und denkmalpflegerischen Vorgaben fertigstellt. Hier wird nach Vollendung der Baumaßnahmen eine Plattform für Künstler und Kunstinteressierte geschaffen, welche die Ideen Max Klingers aufgreift. Das Klinger Forum e. V. erfüllt diese Villa – ähnlich dem Programm der Villa Romana – mit neuem Leben. Der große Landschaftsgarten mit historischem Baumbestand am Flusslauf der Weißen Elster und die historischen Salons in der Villa erstrahlen wieder in neuem Glanz.

Klingers Leben und Schaffen

Max Klinger wurde am 18. Februar 1857 in Leipzig geboren. Der berühmte Maler, Bildhauer und Grafiker ist Deutschlands berühmtester Vertreter des Symbolismus – eine Kunstrichtung mit Bezug zur Antike. Max Klinger hinterließ der Nachwelt und seiner Vaterstadt Leipzig viele bedeutende Zeugnisse seines Schaffens.

Klinger blieb Leipzig zeitlebens verbunden. Seine Biografie kann durch die Orte im In- und Ausland, an denen er sich aufhielt, und durch die Stationen seines Schaffens dokumentiert werden – Leipzig war für ihn jedoch immer ein privater und geistiger Rückzugsort. Er suchte in ganz Europa Impressionen für seine künstlerische Entwicklung. So bereiste er Karlsruhe oder Berlin, Rom oder Paris, Wien oder London, Florenz oder Brüssel, die antiken Stätten in Italien und Griechenland – er war in den Pyrenäen, auf Sizilien und in Spanien. Der Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens und seine heimliche Liebe galt Leipzig. Hier feierte er seine größten Erfolge, hier war seine treueste Anhängerschaft, hier hatte er seine Wurzeln.

Befreundete Künstler und Musiker besuchten ihn oft und ließen sein Heim zu einem Hort der Musen werden. Man mag sein Werk und sein Schaffen unterschiedlich betrachten, aber eines ist unumstritten: Max Klinger war es, der der Kunst um 1900 die Richtung in eine „andere Moderne“ wies. Seine Suche nach einer „Wirklichkeit jenseits der Realität“, sein Geist und sein Wirken leben in Leipzig, der Stätte seiner Erinnerung, fort.